Wir übersetzen wissenschaftliche Erkenntnisse in verständliche, datenbasierte Entscheidungsgrundlagen für den Umgang mit gebietsfremden Wasserschildkröten. Dafür verbinden wir Forschung, Dialog und Praxis und schaffen so eine Brücke zwischen Wissenschaft und Anwendung. Unser Ziel ist es, den Natur- und Artenschutz nachhaltig zu stärken, verantwortungsvolle Haustierhaltung zu fördern und einen differenzierten, sachlichen Umgang mit gebietsfremden Arten zu ermöglichen.
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Dafür schaffen wir eine belastbare Datengrundlage. Im Lab kombinieren wir Feldarbeit, eDNA-Metabarcoding, Laboranalysen und Wissenssynthesen. So wird sichtbar, wo Risiken für heimische Arten und Lebensräume entstehen können. Wir zeigen auch, welche Habitate besonders sensibel sind und welches Wissen Behörden und Praxis für gute Entscheidungen brauchen. Entscheidend ist die sorgfältige Einordnung konkreter Situationen: Welche Daten liegen vor? Welche Risiken sind belegt? Welche Maßnahmen sind zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort sinnvoll und umsetzbar?

Natur- und Artenschutz durch belastbare Daten.
Gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Verwaltung, Naturschutz, Tierschutz, Forschung, Bildung, Tierhandel und Öffentlichkeit entwickeln wir praxisnahe Lösungen für den Umgang mit gebietsfremden Arten. Auf Basis wissenschaftlicher Evidenz und im offenen Dialog entstehen ko-produzierte Werkzeuge und Formate – darunter Habitat-Risikomatrizen, Maßnahmen-Entscheidungsbäume, Handlungsempfehlungen sowie Aufklärungs- und Bildungsangebote.
So schaffen wir die Grundlage für datenbasierte, transparente und nachvollziehbare Entscheidungen und fördern einen verantwortungsvollen, evidenzbasierten Umgang mit gebietsfremden Arten.
Forschungsstand und Hintergrundwissen
Der Umgang mit gebietsfremden Arten gehört mit zu den großen Aufgaben des Biodiversitätsschutzes. Bei gebietsfremden Wasserschildkröten ist die Lage in Deutschland jedoch bisher hauptsächlich unklar. So sind viele Vorkommen bekannt, doch belastbare Daten zur kleinräumigen Verbreitung, Reproduktion, ökologischen Effekten und möglichen Krankheitseinträgen fehlen häufig. Lange wurde angenommen, dass sich nordamerikanische Schmuckschildkröten in Mitteleuropa kaum selbständig fortpflanzen können. Neue genetische Nachweise aus unserer Forschung in Deutschland zeigen jedoch, dass Reproduktion und die Etablierung von Populationen im Freiland möglich sind.
Publikationen:
Schloddarick, H., Griesbaum, F., Vamberger, M., Penner, J. (accepted): Striking Diversity and Distribution of non-native Chelonians in Germany. Neobiota.
Tietz, B., Penner, J. & M. Vamberger (2023): Chelonian challenge: three alien species are moving their reproductive boundaries. Neobiota 82:1-21.
Wir arbeiten an der Schnittstelle von Forschung, Vorsorge und praktischer Umsetzung. Dabei geht es nicht um die pauschale Bewertung gebietsfremder Wasserschildkröten als „gut“ oder „schlecht“, sondern um die Frage, wo tatsächlicher Handlungsbedarf besteht: Welche Gewässer sind besonders sensibel? Welche Risiken sind wissenschaftlich belegt? Und welche Maßnahmen sind wirksam, verhältnismäßig und praktisch umsetzbar?
Um diese Fragen zu beantworten, verbinden wir eigene Forschung auf Basis DNA-basierter Analysen mit Wissenssynthesen und Erfahrungen aus anderen Ländern. Gleichzeitig beziehen wir Perspektiven aus Behörden, Naturschutz, Tierschutz, Bildung, Tierhandel und Öffentlichkeit ein.
Unser Ansatz folgt dem Prinzip „Prävention statt Reparatur“: Risiken frühzeitig erkennen, Maßnahmen datenbasiert priorisieren und Kommunikation so gestalten, dass Monitoring, Prävention und Management nachvollziehbar und gesellschaftlich anschlussfähig werden.
Unsere nächsten Schritte
Geplant sind vielfältige Maßnahmen in Forschung, Bildung und Praxis. Dazu gehört ein Pilotprojekt mit Feldarbeit in Baden-Württemberg, in dem DNA-basierte Analysen zu Nahrung, Parasiten und Krankheitserregern durchgeführt werden. Ergänzend entstehen Co-Design- und Aufklärungsworkshops, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und den Wissenstransfer stärken.
Darüber hinaus entwickeln wir einen Policy Brief zur aktuellen Situation in Deutschland sowie einen praxisorientierten Managementleitfaden. Gemeinsam mit dem Lehr-Lern-Labor „petZ“ der TU Dresden entstehen Bildungs- und Schulformate, ergänzt durch eine Informationskampagne mit dem Zoofachhandel. Weitere Bausteine sind ein Museumsmodul für die Wissenschaftskommunikation sowie der Ausbau der iNaturalist-Seite „Turtles of Germany“, um Sichtungen und Wissen zu gebietsfremden Wasserschildkröten besser zu dokumentieren und zugänglich zu machen.
Mach beim Projekt „Turtles of Germany“ auf iNaturalist mit und hilf dabei, die Forschung zu gebietsfremden Wasserschildkröten in Deutschland voranzubringen.
Team


